Sonntag, 26. April 2009

Visum erhalten ist nicht schwer – der Behördengang dazu jedoch sehr


Nach dem ich wirklich einige Horrorgeschichten gehört habe über die Zuteilung des Visums hatte ich schon ziemlich Panik gehabt mir ein Visum zu besorgen. Wie es sich herausstellte war das alles auch gar nicht so einfach. Wieder mal ist die Bürokratie der Stolperstein und nicht die Willkür der Russischen Beamten.
Alles fing damit an das ich beschlossen hatte mein Visum selbst zu besorgen. Meine Mitbewohnerin hatte sich ein Visum für Mexiko besorgt und hatte mir einige Tipps gegeben, also beantragte ich mit meinem Halbwissen das Visum etwa 4 Wochen vor Reiseantritt in Berlin bei der Russischen Botschaft. Leider war es nicht ganz so einfach, denn das Konsulat in Berlin ist nicht für mich zuständig, also bekam ich alle meine Unterlagen wieder zurück mit dem Vermerk ich müsse mich in Hamburg melden – persönlich. Da ich aber schon unter enormen Zeitdruck stand entschied ich mit für einen Visumservice. Dies war die falsche Entscheidung. Zwar musste ich nur meine Unterlagen dort hinschicken und bekam auch schnell mein Visum – aber der Spaß kostete 391 EUR und ich bekam ein komplett falsches Visum. Das bemerkte man jedoch erst in Russland bei der Registrierung. Ein richtiger und guter Visumsservice veranschlagt 25 EUR Service und max. 25 EUR für eine Einladung. Die aber auch, grade im Praktikum vom Praktikumsunternehmen ausgestellt werden kann. Das Visum selbst sollte im Express für 3 Monate nicht mehr als 70 EUR kosten (Stand: April09). Mit mehr als 10 Werktagen kostet es sogar nur 35 EUR. Ein 6 Monatiges Visum erhält man nur, wenn man schon mal eine Einreise in Russland hatte, den Kostenpunkt kann ich hier allerdings nicht sagen. Aber erst mal ein paar Worte zu den Unterlagen: Um ein Visum zu beantragen benötigt man einen gültigen Reisepass - mindestens drei Monate länger gültig als das Ausreisedatum, eine Einladung vom Innenministerium bzw. sonstige berechtigte Institution, ein Auslandskrankenversicherungsnachweis und ein Passbild. Das Passbild sollte 35 x 45 mm sein und wird auf den Visumsantrag geklebt (mit Uhu – nicht tackern) werden. Der Visumsantrag sollte direkt am Computer oder mit Kugelschreiber in Druckbuchstaben eingetragen werden.
Wie gesagt ich habe mein erstes Visum zu einem völlig überzogenen Preis beim Russland Visum24 bekommen – nicht zu empfehlen. Ich hatte gedacht mein Visum ist 6 Monate gültig, allerdings belehrte mich die Dame bei meiner Registration, das dem zwar so sei, ich aber innerhalb dieser sechs Monate nur 90 Tage bleiben dürfe…. Was mir also nur drei Monate einbrachte. Also bin ich nach 90 Tage ausgereist und habe ein neues Visum auf eigener Faust in Hamburg persönlich beantragt. Das ging erstaunlich einfach, wenn man weiß wie es läuft.
Also Antrag ausfüllen, Unterlagen siehe oben mitnehmen, lange, lange, lange anstehen – nach zwei Minuten alles vorbei. Die Unterlagen werden geprüft und dann kann auch schon im Kassenhäuschen gezahlt werden. Danach Abholen – fertig!

Ich bin zu Hause


Über das Wort zu Hause habe ich mir nie Gedanken gemacht. Wie ich schon oft erwähnt habe komme ich aus einem normalen Elternhaus. Zwei Eltern die seit 35 Jahren verheiratet sind und immer noch glücklich – da mein Bruder und ich nicht mehr zu Hause leben und die Beiden keinen Scheihn wahren müssten gehe ich mal davon aus. Sie haben mir immer Sicherheit und ein zu Hause gegeben, deshalb ist es völlig unverständlich dass ich in der Vergangenheit immer gerne weg gegangen bin. Meine längeren Auslandseskapaden haben mir immer Spaß gemacht. Und ich habe oft darüber nachgedacht warum mich nichts „zu Hause“ hält. Nichts ist vielleicht falsch gesagt, warum Deutschland mich nicht zu Hause hält. Ich fühlte mich nie wirklich als Deutscher. Diese Strukturbesessenen, korrekten und disziplinierten Langweiler. Ja, genau das habe ich von uns Deutschen gedacht.
Je öfter ich in Ausland gehen durfte, desto häufiger wollte ich ins Ausland - zu den Menschen die anders sind. Ich habe allerdings nie meine Herkunft verleugnet oder ihr den Rücken gekehrt. Ich habe mein „Deutschland“ so wie ich es sah, nur sehr kritisch beäugt. So kritisch, das es mir schwer viel etwas Positives zu finden.
Jeder der mich kennt weiß das ich nicht zu den Leuten gehöre die abends beim Stammtisch die Welt beweinen, ich bin positiv und habe immer gedacht – wenn das was ich will Deutschland mir nicht bieten kann – dann ein anderes Land. Tja und auch da gibt es zweierlei Menschen - die, denen klar ist – im Ausland wird es auch nicht einfacher – eher schwerer. Und die, die bei RTL „die Auswanderer“ einen Sendeplatz belegen, weil Sie denken: „auf der anderen Seite ist das Gras grüner“ und dementsprechend ein halbes Jahr später bei der RTL Sendung „die Rückwanderer“ landen. Nun für mich stand fest – so einfach ist das alles nicht. Und so prüfe wer sich ewig bindet, ob sich nicht noch was Besseres findet. Viele von euch lesen ja nicht nur meinen Blog sondern werden auch mit meinem Status im Facebook konfrontiert in dem ich mehrere mal schon gesagt habe das ich Russland liebe. Und das tue ich auch! Inbrünstig! Und ich könnte mir sogar vorstellen hier zu leben – wobei ich habe festgestellt das das Leben hier noch viel härter ist als in allen anderen Ländern sie ich bisher bereist habe (nur Europa). In meinen Augen ist es leichter 100 EUR zu verdoppeln als 100 Rubel.

Da ich nun wieder sehr abgeschweift bin… noch mal zum Kern. Ich bin seit genau 8 Monaten im Ausland (mit Heimatbesuchen) und was soll ich euch sagen…ich habe ein zu Hause!
Was mein zu Hause ist wurde mir heute klar, als Die Maschine von St. Petersburg zum Landeanflug auf Frankfurt ansetzte. Ich sah den Frankfurter Flughafen und die vermeidlich hunderte von Lufthansa Maschinen auf dem Rollfeld. Und in dem Moment konnte ich mein Glück nicht fassen und mir kamen die Tränen – Ich war zu Hause.
Ich fühle mich diesem Land zugehörig, es ist mein zu Hause und jetzt endlich kann ich es auch als solches betrachten. Während meiner Studentenzeit in Lettland und meinem Praktikum in Russland habe ich einfach gemerkt – ja, ich bin strukturbesessen, korrekt und diszipliniert
Aber nein, ich bin nicht langweilig! Das habe ich meinen Reisen, meinen Erfahrungen und meine Achterbahnen Leben zu verdanken. Das Leben was „Zu Hause“ sein Ursprung hat und was mich zu dem macht was ich bin. Eine Deutsche.

Montag, 9. März 2009

Der Rubel muss rollen...


…doch nicht für jeden. Ich habe mir über dieses Thema vor meiner Zeit in Russland nie Gedanken gemacht. Natürlich war mir bekannt, das es eine Inflation gibt und das Menschen bzw. die Wirtschaft unter so was leiden kann. Aber ich lebe seit dem ich denken kann in einem Land wo es eine stabile Währung gibt, zugegeben 11% Inflation gibt es auch beim Euro und das ist die höchste Inflation seit Jahren, aber für unser eins wird immer nur alles teurer. Mein Gehalt wird nicht weniger. Inflationsangleichungen werden in großen Firmen automatisch gemacht, natürlich keine 11% aber immerhin regelmäßig ein bisschen. Bafögsätze und Sozialhilfe werden erhöht und auch die Gehälter werden mehr. In Russland ist das etwas anders. Denn hier ist die Inflation ersten über 30% und zweiten passiert das innerhalb von drei Monaten. Als ich das erste Mal Russland besuchte, habe ich für ein Liter Milch genau 23 Rubel bezahlt. Das war im Oktober und der Rubel stand 36 Rubel = 1 Euro. Inzwischen kostet meine Milch 30 Rubel zu einem Kurs von 46 Rubel = 1 Euro…das ist in Euro Worten 0,56 EUR zu 0,53 EUR…wird sich jeder denken und sagen: Wo ist das Problem? Das Problem ist jedoch das eine Angestellte 800 EUR verdient, das waren im Oktober ca. 29000 Rubel und sind heute immer noch 29000 Rubel…auch wenn es laut Umrechung nur noch 690 EUR wert sind. In solchen Momenten bin ich dankbar, dass mein Bafög erhöht wurde und das ich Euro bezahlt werde, bekomme aber auch ein schlechtes Gewissen…denn ich komme nie mit meinem Geld hin. Für die Kollegen hier ist das allerdings ein echtes Problem, die Diskussionen werden regelmäßig geführt. Mein Praktikumsunternehmen verspricht die Situation im Auge zu behalten, aber das braucht Zeit. Übrigens das Durchschnittsgehalt liegt laut dem Russland Journal bei 500 Euro, stand Jan09.

Körperkontakt mit System – Metro in Russland


Ich habe oft von der Metro in Russland gehört, wie beeindruckend und schön sie sein sollte.
Ich habe dann immer gedacht, wie kann eine Metro schön sein? Inzwischen kann ich die Russen verstehen. Nicht nur das die Gebäude und Gewölbe Kunstmusen entsprechen, sondern auch das System das die Russen benutzen um den Berufsverkehr zu überleben. St. Peterburg hat etwa 5 Mio. Einwohner und wenn man morgens um 08.30 die Metro betritt gewinnt man den Eindruck, dass 2,5 Mio. Menschen davon mit der Metro zur Arbeit fahren.
Die Gänge sind überfüllt und vor den Rolltreppen staut es sich. Die Rolltreppen werden je nach Frequentierung von den Bediensteten umgestellt. Morgens führen somit zwei Rollstreppen in den Untergrund und eine hinaus und abends führen zwei Rolltreppen aus dem Untergrund und eine hinein. Auch hier gilt es wie in London, rechts stehen, links gehen und anstatt „mind the gap“ hört man hier „Ostorojno, dweri sakriwajutsja“ was soviel heißt wie „Türen schließen“. Dieser Satz wird vielen Handtaschen, Mäntel und Extremitäten zum Verhängnis, den anders wie in ich es aus Bremen kannte sind hier die Türen nicht mit einem Sensor versehen, der bei Widerstand die Tür noch mal öffnet. Frei nach dem Motto: „Wenn zu - dann zu“ Trotz der hohen Frequentierung bleibt häufig die zu erwartende Drängelei aus. Es gibt scheinbar ein unausgesprochenes System.
So konnte ich folgendes System während meiner unzähligen Fahrten mit der Metro feststellen. Es gibt zwei Arten von Haltestellen, die einen haben einen langen Bahnsteig wie man es von deutschen Bahnhöfen kennt. Hier gilt es eine bestimmte Beobachtungsgabe an den Tag zu legen. Dort wo die weißen Begrenzungsstreifen und den Bahnschacht abgenutzt sind, sind zu meist die Türen. In diesem Bereich wird sich bereits in einer Zweierreihe postiert. Immer schön einer nach dem anderen wie eine Perlenkette. Bei den anderen Haltestellen gib Türen in einer Wand, die einem den Zugang zum Abteil ermöglichen. Diese Türen öffnen sich beim Eintreffen der Untergrundbahn. Aber auch hier gilt das gleiche System, immer schön rechts und links anstellen. Wenn die Bahn nun eintrifft, werden erst mal die Menschenströme in die Freiheit gelassen. Danach beginnt der Zustieg. Der Zugstieg erfolgt nach dem System „nur ein Stop“, „zwei bis drei Stop“ oder längere Fahrt. Die Damen und Herren die eine längere Fahrt vor sich haben strömen in die Mittelgänge zwischen den Sitzreihen um ggf. einen Platz zu bekommen. Die „zwei bis drei Stop“ Kategorie, geht in die Bahn zur gegenüberliegenden Tür und dreht sich mit dem Gesicht zur Eingangstür. Zu guter letzt die „ein Stop“ Kategorie, diese Kategorie versucht sich während der Einstiegsphase unsichtbar zu machen und positioniert sich dann direkt vor die Eingangstür. Dann noch „die Nase einziehen“ und dann kann es losgehen. Ich bin immer furchtbar beeindruckt das das System funktioniert. Am Anfang habe ich mich diesem System nicht wissend widersetzt und habe dadurch oft schimpfe bekommen, oder sogar meinen Ausstieg verpasst weil zu viele Menschen im Weg standen. Wenn man sich jedoch einfügt, kann man bequem ohne unsittliche Berührungen und mit seinem Geldbeutel ans Ziel kommen. Denn nur Touristen fallen hier auf .

Sonntag, 1. Februar 2009

Meine Arbeit in St. Petersburg


Das ist die gefrohrende Neva. Es ist heute am 01.02.09 -17 Grade und die Welt sieht schön aus.
Fotos von meinen Kollegen gibt es bei nächsten Mal...denn ohne ok von denen, werden keine veröffentlich
Meine Arbeitsstelle

Inzwischen arbeite ich ja schon 2 Wochen und 2 Tage und kann mit voller Überzeugung sagen. Ich bin ein Glückspilz.
Ich meine da hat man einem Praktikumsplatz in der schönsten Stadt Europas, bei dem in meinen Augen tollsten Arbeitsgeber Deutschlands und man ist nicht nur zum Kaffee kochen und Faxen da. Obwohl…eigentlich weiß ich nicht wirklich ob das meine Aufgaben wären. Denn wenn das Büro eine normale Kaffeemaschine hätte und kein Faxgerät was man manuell anrufen muss und nur russisch mit einem spricht, wäre ich vielleicht doch dafür verantwortlich. Ich habe nämlich auch in dieser Beziehung Glück, Sie haben einen Kaffeeautomaten – Ich bin im Himmel!

Ich habe natürlich auch Kollegen – und Ihr werdet es nicht erraten, auch diese sind bisher noch perfekt. (Ich sollte eine Stecknadel mitnehmen und deren Echtheit zu überprüfen). Die wichtigsten werde ich mal verraten:

Da gibt es zum einen Natalija, sie ist PA unseres Chefs Bart. Natalija ist irgendwie der Dreh und Angelpunkt im Büro. Sie ist die gute Seele und hat irgendwie total den Überblick und ist die Ruhe selbst. Hinzukommt das Sie auch noch eine wundervolle Familie hat, die ich auch schon kennen lernen durfte. Sie kümmert sich ein bisschen um mich und sorgt dafür das ich nicht vereinsame.

Dann gibt es Olga. Olga ist ein Sonnenschein. Olga lacht immer und das bringt mich zu lachen. Es fällt mir echt schwer die nette, kompetente Praktikantin zu sein und nicht die durchgeknallte, im Büro singende und blöde Witze erzählende Tanja. Aber ich will noch einen guten Eindruck machen. Zumal ich „Das“ sowieso nach dem Studium ablegen muss.
Olga ist der Sales Support und momentan mächtig schwanger.

Dann gibt es noch Slava, Slava ist glaube ich sozusagen, Mädchen für alles. Er ist ständig beim Konsulat und macht irgendwelche wichtige Botengänge. Irgendwie macht er für mich den Eindruck eines Concierge. Alle vertrauen Ihm, er hat immer wichtige Sachen zu erledigen und er ist sehr beliebt.

Und zu guter Letzt mein Chef Bart, Bart ist glaube ich ein guter Chef. Ich habe Ihn noch nicht häufig gesehen und hatte erst zwei Meetings mit Ihm. Er bezieht mich in wichtige Sachen mit ein und ist was meine Aufgabe angeht sehr enthusiastisch. Er hat viel mit mir vor und erwartet auch eine ganze Menge von mir. Er ist sehr sympathisch und ebenfalls sehr beliebt.

Meine zukünftigen Aufgaben sind recht einfach zu beschreiben, ich werde in Zukunft Olga Vertretung sein. Ich werde die Aufgaben einer Sales Support übernehmen. Ich bin darüber sehr glücklich, denn dieses Aufgabengebiet ist eines der Interessantesten im Airline Business.
Ich beschäftige mich mit Sales Reports, Organisation und Steuerung. Und es ist die Beste Vorbereitung die ich für meinen zukünftigen Job haben kann. Denn ich darf mit den großen spielen.

Mein Zimmer in St. Petersburg

Über mein Zimmer gibt es nicht soviel zu berichten. Mein Zimmer hat vier Wände. Nein, im Ernst. Ich habe eigentlich ein schönes Zimmer. Es ist 16m² groß und hell. Was für St. Petersburger Verhältnisse eher ungewöhnlich ist. Meist sind Zimmer hier klein und dunkel. Ich zahle 300€ Miete. Ich habe ein Bett, was furchtbar knarrt…ich denke Matthias wird wenn ich wieder zu Hause bin mehr mal testen müssen ob ich noch leben. Denn ich fange an, mir das schlafen ohne unnötige Bewegungen anzugewöhnen. Dann habe ich noch einen Schreibtisch, einen Esstisch, einen Frisiertisch und ein Kleiderschrank. Gemeinsam mit meiner Vermieterin nutze ich ein Bad, ein Klo und eine Küche.


Das Bad, das Bad ist sauber! Und darüber bin ich grundsätzlich froh. Allerdings hat dieses Haus keine Mischbatterie. Das heißt…entweder heißes oder kaltes Wasser. Die Wärme des Wassers wird über die Therme geregelt, sehr umständlich. Man muss ständig im Bademantel von der Therme zum Wasserhahn und zurück laufen. A pro pro – Wasserhähne dürfen nicht fest zugedreht werden – sonst bricht man sie ab. Während die Waschmaschine läuft darf ich den Computer nicht benutzen. Es könnte die Stromversorgung im ganzen Umkreis lahm legen. ???
Ich bin fürs Bad putzen zuständig.




meine ersten Erfahrungen mit der Handwäsche ...
...jetzt kann ich mir auch mal was kaufen was nur mit der Hand gewaschen wird...





die Küche








Mein Zimmer

Meine Reise nach St. Petersburg


kann mir ja kaum vorstellen, dass ich so viele treue Leser habe, die sogar meinen Blog anmahnen. Nun gut - auf zum Erlebnis Russland.

Am Anfang war der Flug…
Und ich wäre nicht ich wenn mir nicht schon auf den Flug was Seltsames passiert wäre. Mein Flug war über Berlin nach St. Petersburg mit Air Berlin. Ich weiß, ich werde schon zum Unternehmensverräter bevor ich meine Praktikumsstelle antrete. Aber was sollte ich machen…das Lufthansa Ticket war einfach preislich indiskutable. Das Publikum im Flug war sehr gemischt. Ich schätze, die hälfe russisch Stämmig und die hälfe deutsch Stämmig. Neben mir saß ein deutscher Geschäftsmann der den ganzen Flug über mit irgendwelchen Tabellen beschäftigt war. Vor uns, wir saßen nämlich in der zweiten Reihe, saßen eine Familie mit ihrem Baby. Das Baby war in einem Baby Basienett an der ersten Wand befestigt. Der Flug war gut, das Personal freundlich und aufmerksam – es gab diesmal keine hübschen Stewards aber ich war zufrieden. Was bei mir begründet durch meine Flugangst nicht schwer ist, denn ich will nur unten ankommen – dann ist der Flug schon exzellent. Kurz vor Ende des Fluges baten uns die Stewardessen unsere Tische hoch zu klappen und die Sitze in eine aufrechte Position zu stellen. Was alle, fast alle auch taten. Die Dame der Familie vor uns interessierte sich nicht wirklich für diese Durchsage und ignorierte diese Prompt. Mein Sitznachbar, der Geschäftsmann, wurde daraufhin etwas stutzig. Ich habe ihn schon angemerkt das er während des Fluges schon nicht ganz glücklich mit dem zurückgelehnten Sitz war, aber er hat sich tapfer gehalten und fleißig seine Tabellen gelesen. Nun wurde es Ihm aber offensichtlich zu unangenehm…er räusperte sich und bat in einem sehr freundlichen, aber bestimmenden Ton die Dame ihren Sitz nach vorn zu stellen, denn er könne nicht – im Falle eines Notfalls – in die Sicherheitsposition gehen falls Sie so sitzen bleiben würde. Er sprach die junge Frau auf Englisch an, was Sie auch wohl verstand – denn Sie sagte nur: „Are you stupid or what?“ „No one cares about!“. Der Geschäftsmann schaute mich verständnislos an. Nach kurzen zögern versuchte er es wieder. Immer noch freundlich bat er die junge Mutter nochmals doch bitte, und das klang fast schon flehend, Ihren Sitz in eine aufrechte Position zu stellen. – keine Reaktion. Ratloses Gesicht, ein Schulterzucken und dann der Griff zum „Service-Knopf“. Binnen zwei Minuten stand eine gut riechende, wie aus dem Ei gepellte Stewardess bei uns. Der Geschäftsmann erklärte Ihr die Situation. Und nun starte die Stewardess einen Versuch. Ganz nach Richtlinie, fragte sie die Frau ob sie Englisch oder deutsch sprechen könne. Natürlich verneinte diese – das hinterhältige Biest. Unser „roter Engel“ lies sich aber nicht beirren und erklärte Ihr in Zeichensprache, wie Sie den Sitz in einer aufrechten Position erhalten könnte. Die junge Mutter folge das Beispiel und stellte den Sitz grade und lächelte. Der Geschäftsmann und ich, wir hatten inzwischen eine auf Solidarität basierende Freundschaft und trauten unseren Augen nicht. Schulter zuckend und kopfschüttelnd vertiefte sich mein Sitznachbar wieder in seine Tabelle. Für ganze 30 Sekunden. Denn kaum war die Stewardess außer Blickweite – wrrruukk, da war der Sitz wieder in einer Liegeposition. Nun war mein Sitznachbar sauer. Mit erhobener Stimme sagte er: „I know that you understand me, please take your seat in an upright position. Otherwise I will do it!“ Durch den Lärm den der Streit zwischen den Beiden verursachte, kam nun auch die Stewardess wieder angerauscht. Inzwischen hatte auch diese gehört, dass die junge Mutter sehr wohl englisch sprach und wie sich herausstellte ganz gut verstand was man von Ihr wollte. Nun machte Sie die Stewardess Sie nochmals energisch darauf aufmerksam das Sie bitte den Anweisungen Folge zu leisten hat. Daraufhin entgegnete die junge Mutter

- Nein, wer das zu sagen hätte
- Ich habe das zu sagen und Sie werden jetzt Ihren Sitz aufrecht stellen
- Wir sind jetzt in Russland, da haben Sie gar nichts zu sagen
- Solange Sie sich in einer Maschine einer deutschen Airline befinden, befinden Sie sich in Deutschland und das bedeutet Sie werden Ihren Sitz aufrichten.

Ich weiß nicht welches der Argumente nun endlich die Verhaltens Änderung ausgelöst hatte. Die Tatsache, dass Sie sich trotz russischen Luftraums immer noch auf deutschen Boden befand, oder die Tatsache das inzwischen eine zweite Stewardess angerückt war. Letztendlich waren wir innerhalb der nächsten zehn Minuten auf den Boden. Mich hatte der Vorfall so abgelenkt das ich nicht einmal an sterben oder Absturz gedacht habe. Und eine Lehre habe ich für die nächsten Monate in Russland gezogen – ich bin jetzt in Russland, hier gelten nicht mehr meine Rechte J